Skulptur Projekte Münster 2017

 

Skulptur Projekte Münster 2017

 

Skulptur Projekte Münster 2017 – 1

10.06.2017, 10 Uhr: Heute ist der Tag der offiziellen Eröffnung der Skulptur Projekte in Münster.

Ein Hauch von internationalem Jetset liegt in der Landluft.

Ich stehe in der Schlange vor der alten Eissporthalle, in der sich die Arbeit von Pierre Huyghe befindet.
Offenbar dürfen jeweils nur so viele neue Leute herein, wie heraus kommen.
Und die Leute in der Halle lassen sich Zeit, der Beitrag des Künstlers muss sehr fesselnd sein.
Zwei Männer hinter mir müssen wiederum in der Kunstszene sehr sehr bekannt sein, denn sie
kennen die Hälfte der Leute, die aus der Halle kommen. Einer von den beiden verabredet sich
innerhalb von zwanzig Minuten in Berlin, in Mailand und man trifft sich ja sowieso in Kürze in Basel. Eine Frau im Ganzkörperleopardenanzug checkt auf ihrem Telefon, ob ihr
Flug in die Schweiz pünktlich sein wird. Ach, und gib mir doch mal deine Nummer,
ich melde mich, wenn ich zwischen dem 22. und dem 25. in London bin,
dann gehen wir einen Café trinken. Die Frau in den goldenen
Pantoffeln winkt ab, da ist sie noch in Zürich, aber sie diktiert ihm trotzdem die Nummer.
Ein Mann vor mir ermuntert seinen kleinen Sohn, zu der Brache neben der Halle zu gehen und
einen Blumenstrauß für Julia Stoschek zu pflücken. Ich habe den Eindruck, dass er das extra laut
gesagt hat, damit die Männer hinter mir mitkriegen, dass der Mann die smarte Sammlerin
und Milliarden-Erbin, die gerne Geld mit dem Kauf von Videokunst verbrennt, gut kennt.
So und nicht anders hat es sich in der Schlange zugetragen.
Ich denke, Junge, Junge, wie wird das erst bei Art Basel oder gar
Art Basel Miami Beach aussehen?

Natürlich präsentiert sich die Stadt Münster an diesem Eröffnungstag der
Skulptur Projekte von ihrer absoluten Schokoladenseite.
Auf der Promenade gibt es die Grünflächenunterhaltung, bei der Amateurmusiker, Bands und
Chöre im hundert Meter Abstand auftreten, ein paar Kilometer weiter eine Art
Markt oder Demo zum Thema Nachhaltigkeit, vor dem Schloss wird eine
Fressmeile „Münster verwöhnt“ aufgebaut, auf der sich die Leute enger aneinander
pressen als die armen westfälischen Schweine, die extra für das Event zum Schlachthof
transportiert wurden. Man könnte auch schreiben:
„Münster flippt aus“, bestätigt aber mit jeder weiteren Aktion eher den vielzitierten Ruf als
Provinzmetropole, in der alle fröhlich fahrradklingelnd über das Kopfsteinpflaster rattern,
und sich alles und jeder herausgeputzt hat für den hohen Besuch. Aber so negativ wie das
vielleicht klingt, ist das gar nicht gemeint. Münster ist super. Nur manchmal ist Münster
einfach zu sehr Münster.

Die Arbeit von Pierre Huyghe übrigens (Foto oben) ist großartig, finde ich.
Alleine dafür lohnt sich das Anstehen.

to be continued…

 

 

 

 


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